Lausitz
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Kalender 2010, Eine Koproduktion des Büros des MdEP Helmut Scholz und der deutschen Delegation der GUE/NGL

Die Lausitz als europäische Region

2010 feiert sich das Ruhrgebiet als Kulturhauptstadt Europas. Es wird öffentlich seine Industriegeschichte im Wandel verhandeln. Die Region wird ihre soziale Umbrüche, ihre kulturellen Identitäten darstellen. Doch ihre wechselvolle europäische Geschichte wird auch das eleganteste Stadtmarketing nicht glätten können. Die Zeiten der Reviere sind voller Licht und Schatten. Sie sind Zeugnisse innereuropäischer Migration, der Waffenschmiede Hitlerdeutschlands, der Gründermetropole der Montanunion. Und sie hinterlassen viele Fragen, selbst wenn sie stillgelegt und zum Weltkulturkulturerbe erklärt werden.

Irgendwo zwischen Katowice und dem Ruhrgebiet liegt die Lausitz, eine ostdeutsche Landschaft in der Krabats Worte, eine Sagengestalt der Sorben, zählen.  Auch die Lausitz ist exemplarisch für eine europäische Energiemetropole im Wandel. In einem reichlichen Jahrhundert wurde in der Lausitz die Landschaft umgepflügt, wurde das, was die Erde in Jahrmillionen verbarg der Reichtum einer stolzen Region. Die Lausitz war eine der Schlagadern der deutschen Industriegeschichte und der größte Energieversorger der DDR.

„Seht wie die Engel sich am sauberen Himmel drängeln über dem Revier/
sie müssen fort inne andre Welt einen anderen Ort/so wie viele hier
so wie wir“, schrieb Gerhard Gundermann zum Ende des letzten Jahrtausends.

Abwanderung. Neubeginn. Das Senftenberger Theater kämpft mittendrin um eine öffentliche Debatte derer, die hier geblieben sind. Die Nachkohle-Landschaft ist schon auf den Reißbrettern und in Modellen zu besichtigen. Doch den Menschen stecken die Tagebaue in den Knochen und deren Spuren im Kopf und in der Landschaft.

Die politischen Weichenstellungen nach 1989 fielen zusammen mit einem schwer zu verarbeitenden Deindustrialisierungsprozess, mit Schrumpfung in den Innenstädten. Zeit für Glücksucher, Dienstleistungsapostel, Tourismusstrategen und politisches Handeln.

In Bildern und Texten eines Monatskalenders für 2010 soll die Landschaft nach der Kohle, Industrie- und Siedlungsarchitekturen, das Gemisch von Tagebaulandschaften zwischen Kohleverstromung und neue Energien, alte und neue Lebensweisen auf Probe gezeigt und diskutiert werden.

Fotografien: Alexander Schippel
Texte: Konstanze Kriese
Geleit: Helmut Scholz

Kulturelle Debatten taugen nicht als Illustration politischer Herausforderungen. Doch sie liefern allemal eine Referenz zur Komplexität der Problemlagen europäischer  Energiepolitik. Der regionale Blick im Kalender 2010 wird seine eigenständige Korrespondenz zu den politischen Forderungen nach Ressourceneffizienz und der Nutzung erneuerbarer Energien entwickeln. Energiepolitik vom morgen ist eine Frage internationaler Problemlösungen, denn sie ist unmittelbar mit der Bewältigung des Klimawandels, der Friedensfähigkeit und Schritten zu einer gerechten Weltwirtschaft verknüpft.